Der Sonnenaufgang

Etwas über ein Jahr ist es mittlerweile her, dass ein Teil meines Hirntumors operativ entfernt wurde. Am 16.10.2018 fand die Operation statt. Danach folgten Chemo und Bestrahlung. Aber was schreib ich das nochmal, darüber wisst ihr schon längst Bescheid!

Ich kann es kaum glauben, dass wirklich schon ein Jahr seitdem vergangen ist. Die Zeit vergeht so schnell…

In diesem einem Jahr habe ich viel erlebt und ich bin so dankbar dafür und unheimlich glücklich.

Ich habe lange überlegt was das für ein Beitrag hier werden soll und so richtig sicher bin ich mir jetzt gerade auch noch nicht. Ich schreibe einfach mal drauf los und wir werden sehen, was dabei rauskommt.

Wenn ich an die Zeit zurückdenke, bekomme ich einen Schauer, mir kommen die Tränen und gleichzeitig muss ich lächeln.

Es ist dunkel und kalt draußen, ich gehe die Straße entlang und schaue in die Fenster der Häuser. Aus manchen Häusern strahlt warmes Licht und die Fensterbänke sind schön dekoriert und in anderen sieht man nur das Licht des Fernsehers flackern.

Ich gehe meinen Weg und in einem der vielen Fenster sehe ich mich. Es ist als würde mir jemand einen Film zeigen. Ich sehe mich wie ich meine Diagnose bekomme, ich sehe mich vor und nach den Operationen und ich sehe mich während der Therapie. Mir kommen die Tränen und ich bin stolz auf mich.

Ich sehe viele liebe Menschen um mich herum und während ich von außen zuschaue wie sie alle für mich da sind und sich um mich kümmern, verschwindet die Kälte. Ich vergesse die Zeit und bekomme gar nicht mit, wie es langsam hell wird.  Erst als ich im Fenster sehe, wie die Farbe des Himmels sich verändert, kehre ich zu meinem Bewusstsein zurück. Ich bemerke mein Lächeln und daraufhin verstärkt es sich. Ich beschließe weiter zu gehen und gehe dem Sonnenaufgang entgegen. Über mir ist der Himmel noch dunkel, der Übergang ist lila und in der Ferne ist der Himmel orange und wird durch das Aufgehen der Sonne immer heller. Die Bäume sehen schwarz aus, genauso wie die Häuser und alles zusammen ergibt ein wunderschönes Bild.

Es war eine lange und dunkle Nacht, doch der Sonnenschein jetzt, wird mir für immer bleiben.

Es gibt Momente, da kann ich gar nicht glauben, dass das alles wirklich passiert ist. Manchmal fühlt es sich wirklich so an, als wäre alles nur ein Film gewesen, oder eine Geschichte in einem Buch. Doch ist das alles wirklich passiert. Und wenn ich mir dessen bewusst werde, spüre ich es. Mein Körper erinnert sich an Schmerzen, er erinnert sich daran, wie sich die kahlen Stellen an meinem Kopf anfühlten, er erinnert sich an unzählige Blutabnahmen, wie mir die Maske der Bestrahlung ins Gesicht drückt und an Erschöpfung. Erschöpfung wie nicht in Worte zu fassen ist.

Ich muss mir auf die Schulter klopfen, denn ich erinnere mich nicht, jemals so tapfer gewesen zu sein. Ich kann mir auch ehrlich gesagt nicht erklären, wie es dazu gekommen ist. Normalerweise bin ich sehr emotional und nah am Wasser gebaut, doch in der ganzen Zeit habe ich kaum eine Träne vergossen! Doch jetzt, während ich mich zurückerinnere und der Film vor mir abläuft ist es anders. Ich fange an das alles zu realisieren. Jetzt erst wird mir das alles richtig bewusst.

Letztes Jahr im August wurde es plötzlich stock duster in meinem Leben, doch mittlerweile scheint die Sonne heller als je zuvor! Natürlich ziehen ab und an auch mal dunkle Wolken auf, doch die bleiben nicht lange, die Sonnenstrahlen kämpfen sich immer wieder durch und mit der Zeit ist wieder keine Wolke am Himmel zu sehen.

Was ich versuche zu schreiben, ist dass es wirklich ein hartes Jahr für mich war und bis heute ist es teilweise noch immer hart. Gesundheitlich fühle ich mich gut. Der Tumor wächst momentan weiterhin nicht und ich bin sehr zuversichtlich, das dass auch so bleibt! Ich bin körperlich wieder fit, kann Sport machen und gehe wieder arbeiten. Doch ich habe auch neue Grenzen. Ich bin nicht mehr so belastbar und benötige mehr und längere Pausen als in der Vergangenheit.  Ich muss mich wegen meiner Augen viel mehr konzentrieren und bin dadurch schneller erschöpft und müde. Es fällt mir nicht immer leicht das zu akzeptieren und nicht selten übernehme ich mich. Ich weiß, dass ich es mir nicht anmerken lasse, doch ich kämpfe jeden Tag. Ich versuche stark zu sein und alles zu verarbeiten und zu akzeptieren. Letzteres fällt mir am schwersten.

Aber auch das werde ich noch alles schaffen! Ein Jahr ist vergangen und es ging so schnell, wie soll ich also so schnell damit fertig werden?

Ich bin auf einem guten Weg und das alles benötigt einfach mehr Zeit.

Wie geht es jetzt für mich weiter?

Ich gehe weiterhin alle drei Monate ins MRT und wir beobachten den Tumor. Sollte er wachsen, beginne ich wieder mit der Chemotherapie.

Momentan überlege ich mich auch bezüglich Methadons noch weiter zu informieren und eventuell Ärzte dazu zu kontaktieren. Aber bisher bin ich den Schritt nicht gegangen. Ich kann den Grund gar nicht genau erklären! Ich schätze es liegt daran, dass gerade alles gut ist und ich Angst vor der Reaktion meines Körpers habe. Aber ich werde mich auf jeden Fall weiter schlau machen und dann mal sehen.

Ich werde euch auf dem Laufenden halten!

Jetzt genieße ich erstmal die Wärme der Sonne, die Tag und Nacht für mich scheint.

EureMona

 

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Moin lieber Schatz, wir haben eure Bilder von Rolo bekommen- soooo schön. Wir wünschen euch alles Liebe und Gute von Herzen. Aber das wisst ihr ja;-)) Du bist ein wirklich starkes und positives Mädel. Sei ganz fest gedrückt von uns

    1. Hallo liebe Moni
      Danke für die lieben Worte!
      Wir freuen uns sehr, dass euch die Bilder gefallen und hoffen euch bald wieder zu sehen! Fühlt euch von uns gedrückt!

  2. Liebe Mona,

    Ich bin sehr beeindruckt davon wie tapfer du bist und kämpfst. Ich freue mich sehr, dass es dir gut geht.
    Lass dich niemals unterkriegen und liebe Grüße,
    Noel

    1. Hallo Noel,
      wie schön von dir zu lesen! Danke dir für die lieben Worte!
      Ganz liebe Grüße

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