Spieglein, Spieglein an der Wand…

…bin ich die schönste im ganzen Land?

Vor kurzem ist mir etwas Erschreckendes aufgefallen! Ich bin mir sicher, dass es vielen Menschen, ich schätze häufiger Frauen, so geht, wie es mir ging und deswegen möchte ich dieses wirklich wichtige Thema mal ansprechen.

Seit der zweiten Operation, der Teilresektion meines Hirntumors, leide ich an einer beidseitigen Hemianopsie.

Eine Hemianopsie beschreibt eine Einschränkung des Gesichtsfeldes und unter einem Gesichtsfeld versteht man den Teil der Umgebung, den man sehen kann, wenn man den Kopf gerade und die Augen auf einen Punkt fixiert hält.

Für mich bedeutet das, dass ich Gegenstände im Alltag oft nicht wahrnehme, Schwierigkeiten beim Lesen habe, die Orientierung verliere oder kurz gesagt, einfach ziemlich eingeschränkt bin.

Worauf es in diesem Beitrag aber ankommt, ist dass ich mich selbst im Spiegel nicht mehr richtig erkennen kann.

Ich sehe mich aber nicht mehr so wie zuvor oder so wie du es tust, wenn du einen Blick in den Spiegel wirfst. Ich sehe immer nur einen Teil von mir, aber nie mein ganzes Gesicht. Zu Beginn war das alles sehr frustrierend für mich und auch jetzt gibt es immer mal Tage, an denen ich mehr als an anderen Tagen darunter leide.

Zuvor habe ich viel Zeit vor dem Spiegel verbracht. Gesichtspflege, Makeup auflegen, Haare stylen, oder das passende Outfit raussuchen. Das alles hat schon eine gewisse Zeit in Anspruch genommen. Vor allem aber der letzte Punkt hat mich oft zum Verzweifeln gebracht.

„In der Hose sehen meine Beine dick aus, in dem Oberteil sehe ich aus wie eine Presswurst“. Ich könnte noch so einige Sätze wie diese nennen, die Alltag für mich waren. Ich stand vor dem Spiegel und habe mich aus jedem Blickwinkel betrachtet. Umso länger ich vor dem Spiegel stand, umso unzufriedener wurde ich.

Und ich bin ehrlich, das ging bei mir schon ganz schon früh los mit der Unzufriedenheit! Ich schätze so ungefähr als ich 14,15 Jahre alt war. Damals noch bedingt durchs Fernsehen, den Jugendzeitschriften und den ganzen schönen, schlanken Frauen die man dort zu sehen bekam/noch immer bekommt. Heute wird man hauptsächlich durch SocialMedia beeinflusst, denke ich. Auf den Portalen präsentieren sich alle Art von Menschen. Natürlich auch die wunderschönen und superschlanken! Man kann das Leben dieser Menschen verfolgen und sie haben sehr großen Einfluss. Sie präsentieren sich, ihr schönes Haar, den trainierten Körper und die neuste Modekollektion. Man fängt an zu vergleichen und schnell bemerkt man, dass die eigenen Beine nicht so schön lang und schlank sind, der eigene Bauch nicht so flach oder der Po nicht so rund wie von anderen ist. Doch oft vergessen wir dabei, dass die Menschen, mit denen wir uns vergleichen, sich in Szene setzen. Mit ein paar Tricks können wir alle längere Beine, einen flachen Bauch oder runden Po auf Fotos haben. Und mal ganz ehrlich, die Menschen auf den Fotos haben auch ihre „Problemzonen“! Vielleicht haben sie furchtbar dünnes Haar, eine unreine Haut unter dem Makeup oder sonst was. Fakt ist doch, dass jeder immer irgendwas an sich auszusetzen hat, oder? Nur zeigt keiner seine „Problemzonen“.

Was aber glaube ich  in unserer Natur steckt, ist dass wir uns mit anderen vergleichen. Ob es das Aussehen, die Karriere oder Beziehung ist. Eine wirklich negative Eigenschaft, an der man dringend arbeiten sollte!

Auf wirklich radikale Weise wurde mir die Möglichkeit genommen, mich mit anderen zu vergleichen. Seitdem ich das Problem mit dem Sehen habe, verbringe ich nicht mehr viel Zeit vor dem Spiegel. Ich schminke mich nur noch selten, gleiches mit dem Haarstyling und benötige keine gefühlte Ewigkeit mehr, ein Outfit zu finden, welches mich schön schlank aussehen lässt (aus jedem Winkel natürlich). Dazu kommt natürlich, dass ich nicht nur mich nicht richtig sehen kann, sondern auch dich nicht und alle anderen schönen Menschen.

Plötzlich fühle ich mich wohl in meinem Körper! Ich mag ihn und bin zufrieden und dankbar.

Wofür denn jetzt dankbar?

Ja, so absolut schei** meine Situation auch ist und wie unglücklich sie mich auch macht, bringt sie doch einen positiven Aspekt mit sich. Nach all den Jahren der Unzufriedenheit bin ich jetzt zufrieden mit mir! 

Vielleicht hat die ein oder andere ja mal Lust auf ein Experiment! Hängt doch mal für eine gewisse Zeit, zumindest vor den Ganzkörperspiegel, einen Vorhang und beobachtet wie ihr euch fühlt!

Bis ich zu dieser Erkenntnis kam, ist gut ein halbes Jahr vergangen. So lange muss natürlich kein Experiment gehen. Aber wenn einem bewusst ist, wobei es in diesem Experiment geht, bemerkt man vielleicht schon nach kurzer Zeit einen Unterschied. Außerdem sollte man wesentlich weniger Zeit damit verbringen, Magazine oder soziale Medien zu durchforsten. Weniger Input von den „perfekten Menschen“ tut dem Experiment auch zu gute!

Ich bin froh, zu dieser Erkenntnis gekommen zu sein und von nun an viel gelassener im Umgang mit mir selbst zu sein.

Fangt an, euch zu lieben und zu akzeptieren wie ihr seid. Würden wir alle gleich sein, wäre die Welt doch langweilig! 

Ich möchte gar nicht klein reden, dass jeder von uns vielleicht mal Phasen hat, in denen man sich nicht so wohl fühlt. Das ist einfach nur menschlich. Aber hört auf euch zu vergleichen und fangt an euch zu akzeptieren und wohl zu fühlen.

Wer zufrieden ist, kann nie zugrunde gerichtet werden. – Laotse

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Das Schönste, was ich diese Woche gelesen habe, kommt (mal wieder) von dir meine liebe Mona. Danke für deine Worte, deine Ehrlichkeit, die Tiefe deiner Seele und vorallem, dass du viele Menschen daran teilhaben lässt. Danke für deinen Mut und deine Selbstlosigkeit; besonders dafür, dass du ein Vorbild für alte Seelen in jungen Körpern (und eventuell auch andersherum?) bist.
    Du bereicherst mich. In Liebe, deine Beatrice <3

    1. Liebe Beatrice,

      Danke, dass du immer so viele Liebe Worte hier lässt! Es macht mich immer wieder sehr glücklich und motiviert mich weiter zu machen!

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